Nachfolge bei unabhängigen Vermögensverwaltern: Warum das Haftungsdach auch beim Ausstieg hilft
Über Jahre stand beim Thema Haftungsdach meist der Einstieg im Mittelpunkt: der Schritt aus der Bank oder in die eigene Selbstständigkeit. Doch für viele Gründer der ersten und zweiten Generation unabhängiger Vermögensverwalter rückt inzwischen die entgegengesetzte Frage in den Vordergrund – die Planung der Nachfolge. Wer übernimmt das Mandat, wenn der Gründer sich zurückzieht? Und wie gelingt dieser Generationswechsel, ohne dass Kundenbeziehungen, Compliance-Struktur oder Unternehmenswert darunter leiden? Ein Haftungsdach kann in dieser Phase eine deutlich größere Rolle spielen, als vielen bewusst ist.
Der Generationswechsel steht bevor – doch die Regelung fehlt oft
Das Thema betrifft nicht nur einzelne Häuser, sondern die gesamte Branche. Laut dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn stehen allein zwischen 2022 und 2026 rund 190.000 deutsche Unternehmen zur Übergabe an – ein Trend, der auch vor unabhängigen Vermögensverwaltern nicht haltmacht.
Eine Marktanalyse der Stellar Executive Search AG zeigt: Rund 60 Prozent der unabhängigen Vermögensverwalter stehen in den nächsten drei bis fünf Jahren vor einer Übergabe. Dennoch haben 28 Prozent der befragten Institute noch keinerlei Nachfolgeregelung definiert. Bemerkenswert ist zudem, dass zwar 41 Prozent der Befragten eine interne Lösung deutlich bevorzugen, es aber vielerorts an konkreten Entwicklungsmodellen fehlt, um potenzielle Nachfolger frühzeitig aufzubauen und einzubinden.
Eine Analyse der Top-50-Vermögensverwalter Deutschlands bestätigt diesen Befund aus einer anderen Perspektive: Viele Häuser verstehen Nachfolge nicht als abrupten Bruch, sondern als langsamen, organischen Prozess, bei dem erfahrene und jüngere Mitarbeitende über Jahre hinweg zusammenarbeiten und Wissen schrittweise weitergeben – Häuser wie die GAP Vermögensverwaltung oder MainSky Asset Management setzen dabei bewusst auf eine frühzeitige, strukturierte Einbindung des Nachwuchses.
Wie ein solcher Übergang in der Praxis aussieht, zeigt der Zusammenschluss der DFP und der BB-Wertpapier-Verwaltungsgesellschaft im November 2024: Mit der Fusion wurde zugleich ein Generationswechsel in der Geschäftsführung vollzogen, bei dem eine langjährige Führungskraft aus dem JDC-Konzern die Verantwortung für Marketing und Vertrieb übernahm. Solche Beispiele zeigen, dass Nachfolge in der Praxis selten an einem einzigen Stichtag stattfindet, sondern über Jahre vorbereitet wird.
Warum Nachfolge bei Vermögensverwaltern besonders komplex ist
Anders als bei vielen anderen Mittelstandsunternehmen hängt der Wert eines Vermögensverwaltungsmandats sehr stark an der Person des Beraters. Kunden vertrauen nicht in erster Linie einer Marke, sondern einer konkreten, oft langjährigen Beziehung. Ein abrupter Wechsel birgt daher das Risiko, dass Mandate mit dem Ausscheiden des Gründers abwandern. Hinzu kommt die regulatorische Dimension: Wer eine eigene BaFin-Lizenz nach WpIG hält, muss auch einen Wechsel in der Geschäftsleitung der Aufsicht anzeigen und im Rahmen eines Inhaberkontrollverfahrens prüfen lassen – ein Prozess, der Zeit kostet und formale Hürden mit sich bringt.
In einem Roundtable des private banking magazins beschreiben Branchenvertreter zudem, dass die emotionale Komponente bei der Nachfolge oft schwerer wiegt als reine Bewertungsfragen: Für das Zahlenwerk lasse sich meist eine Lösung finden – schwieriger sei es, loszulassen und sicherzustellen, dass das eigene Lebenswerk im gewünschten Sinne fortgeführt wird.
Klassische Nachfolgemodelle und ihre Grenzen
In der Praxis haben sich verschiedene Modelle etabliert. Die interne Übergabe an langjährige Mitarbeitende gilt vielen Häusern als bevorzugte Lösung, setzt aber voraus, dass rechtzeitig Nachwuchs mit Führungs- und unternehmerischem Anspruch aufgebaut wurde. Andere Häuser entscheiden sich für den Verkauf an einen strategischen Investor oder die Verschmelzung mit einem anderen unabhängigen Vermögensverwalter. Prominente Beispiele zeigen zudem, dass auch die Übertragung von Unternehmensanteilen in eine Familienstiftung ein gangbarer Weg sein kann, um die Nachfolge losgelöst von einer einzelnen Person zu regeln. Allen Modellen gemeinsam ist jedoch: Je stärker Lizenz, Compliance-Verantwortung und operative Führung an eine einzelne Gründerpersönlichkeit gebunden sind, desto aufwendiger und risikoreicher wird die Übergabe.
Auch bei Verkauf oder Fusion bleibt der Nachwuchs entscheidend
Selbst wenn sich ein Vermögensverwalter für den Verkauf an einen externen Investor entscheidet, ist die Nachfolgefrage damit nicht automatisch gelöst. Branchenvertreter der MPF AG weisen darauf hin, dass auch nach einem Verkauf an einen Private-Equity-Investor junge Mitarbeitende gebraucht werden – nicht nur zur Kundenbetreuung, sondern als Unternehmerpersönlichkeiten, die bereit sind, mit eigenem unternehmerischen Risiko tätig zu werden. Der Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VUV) versucht deshalb aktiv, seine Mitglieder zu einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit der eigenen Nachfolge zu bewegen, statt das Thema bis zum unmittelbar bevorstehenden Ruhestand aufzuschieben. Der Verkauf an einen externen Investor löst damit zwar die Kapital- und Bewertungsfrage, ersetzt aber nicht den strukturierten Aufbau einer neuen Beratergeneration im Unternehmen selbst.
Die Rolle des Haftungsdachs bei der Nachfolge
Genau an diesem Punkt setzt der strukturelle Vorteil eines Haftungsdachs an. Da die regulatorische Verantwortung – Lizenz, Compliance, KYC-Prozesse – beim Haftungsdachträger und nicht beim einzelnen vertraglich gebundenen Vermittler liegt, ist die Übergabe eines Mandats an einen Nachfolger deutlich schlanker zu organisieren als bei einer eigenen BaFin-Lizenz. Der neue Verantwortliche muss keine eigenständige Lizenzierung durchlaufen, sondern wird – wie zuvor der Gründer – als vertraglich gebundener Vermittler unter demselben Haftungsdach geführt.
Das ermöglicht einen fließenden statt abrupten Übergang: Ein potenzieller Nachfolger kann bereits Jahre vor der eigentlichen Übergabe als zweiter gebundener Vermittler in dieselbe Struktur eingebunden werden, gemeinsam mit dem Gründer Kundenbeziehungen pflegen und schrittweise mehr Verantwortung übernehmen. Für die Kunden bedeutet das Kontinuität, weil sich weder Depotbank-Anbindung noch Compliance-Rahmen noch die vertragliche Grundlage der Vermögensverwaltung ändern – lediglich der persönliche Ansprechpartner wandelt sich über einen strukturierten Zeitraum.
Praktische Schritte für Vermögensverwalter, die ihre Nachfolge planen
- Frühzeitig beginnen: Nachfolgeplanung gehört nach übereinstimmender Branchenmeinung nicht erst mit Ende 60 auf die Agenda, sondern deutlich früher.
- Nachfolger aufbauen statt suchen: Wer intern übergeben möchte, sollte geeignete Mitarbeitende gezielt entwickeln und frühzeitig in Kundenbeziehungen einbinden.
- Regulatorische Struktur prüfen: Klären, ob eine bestehende eigene Lizenz die Übergabe erschwert oder ob eine Struktur unter einem Haftungsdach den Prozess vereinfachen würde.
- Übergang strukturieren, nicht überstürzen: Ein mehrjähriger, gemeinsam gestalteter Übergang schützt Kundenbeziehungen besser als ein abrupter Wechsel.
- Emotionale und wirtschaftliche Fragen trennen: Bewertung, Auszahlungsmodalitäten und die Frage, wie das eigene Lebenswerk fortgeführt wird, sollten getrennt, aber beide bewusst adressiert werden.
Abschließendes
Die Nachfolgeplanung wird für unabhängige Vermögensverwalter in den kommenden Jahren zu einem der bestimmenden Themen der Branche – nicht zuletzt, weil ein erheblicher Teil der Häuser noch keine Regelung getroffen hat. Ein Haftungsdach kann hier mehr leisten, als viele auf den ersten Blick annehmen: Weil Lizenz und regulatorische Verantwortung nicht an eine einzelne Person, sondern an die Haftungsdach-Struktur gebunden sind, lässt sich ein Nachfolger deutlich einfacher und kontinuierlicher in bestehende Mandate einbinden, als es bei einer eigenen BaFin-Lizenz möglich wäre. Wer seine Nachfolge frühzeitig plant, kann dieses strukturelle Potenzial gezielt nutzen – zum Vorteil der eigenen Lebensleistung und der langfristigen Sicherheit der Kunden.
Wie der umgekehrte Weg – der Einstieg in die eigene Vermögensverwaltung unter einem Haftungsdach – konkret funktioniert, lesen Sie in unserem Beitrag Vermögensverwaltung: Erfolgreiche Gründung unter dem INNO-Haftungsdach. Wie sich mehrere Berater in einer gemeinsamen Struktur organisieren können, zeigt zudem unser Artikel Vom Einzelberater zu Micro-Teams: Wie Haftungsdächer neue Kooperationsmodelle ermöglichen.
Quellen und weiterführende Links
- Moneycab – Unabhängige Vermögensverwalter kämpfen mit Fachkräftemangel und ungelöster Nachfolge: moneycab.com
- private banking magazin – Roundtable: Wie Vermögensverwalter die Nachfolge regeln können: private-banking-magazin.de

Über das Haftungsdach der INNO INVEST

Geschäftsführung: Herbert Schmitt (li)
und Stefan Schmitt (re)
Vermögensverwaltung | Haftungsdach
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